Ilse Aigner und der "Gefällt mir"-Button

veröffentlicht am 12. September 2011 von Martin

Nachdem Ilse Aigner im April des vergangenen Jahres dem Gründer und Vorstandsvorsitzenden von Facebook, Mark Zuckerberg, einen offenen Brief mit Kritik an den Datenschutzeinstellungen des Netzwerkes gesendet hatte, machte Sie ernst. Im Juni 2010 trat Sie öffentlichkeitswirksam aus Facebook aus und löschte Ihr Profil.

Nach der nun wieder entfachten Diskussion um den Datenschutz im weltweit größten sozialen Netzwerk, legte Sie im aktuellen SPIEGEL nach und fordert nun alle Bundesministerien auf den "Gefällt mir"-Button von den Ministeriumsseiten zu löschen.

Gefällt mir-Button auf der Webseite?

Pluragraph.de macht den Faktencheck und hat aktuell analysiert, welches Ministerium den "Gefällt mir"-Button überhaupt auf seiner Webseite verwendet:

  Ministerium "Gefällt mir"-Button?
Auswärtiges Amt
Nein
Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Nein
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Nein
Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Nein
Bundesministerium für Finanzen
Nein
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Nein
Bundesministerium für Gesundheit
Nein
Bundesministerium des Inneren
Nein
Bundesministerium der Justiz
Nein
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Nein
Bundesministerium für Verkahr, Bau- und Stadtentwicklung
Nein
Bundesministerium für Verteidigung
Nein
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
Nein
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Nein
Bundeskanzleramt
Nein
Bundeskanzlerin
Nein
Bundesregierung
Nein

Lediglich zwei Ministerien besitzen überhaupt eine eigene Ministeriums-Fanseite bei Facebook: Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit exakt 999 Fans und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit 235 Fans. Einige weitere Ministerien verfügen noch über projektbezogene Kampagnenseiten bei Facebook, die an dieser Stelle aber nicht ausgewertet wurden.

Verlinkungen

Direkte Verlinkungen auf Facebook gibt es lediglich auf den Webseiten folgender drei Bundesministerien:

Webseite mit Facebook-Verlinkung des BMZ

Facebook-Verlinkung auf BMJ-Webseite

Facebook-Verlinkung auf BMFSFJ-Webseite

Social Bookmarks

Trotz dieser bisher eher passiven Nutzung von Facebook durch die Bundesregierung, nutzten die Ministerien aber schon seit längerem Social Bookmarks zur Verbreitung der eigenen Inhalte. Nach aktueller Analyse von Pluragraph.de befinden sich auf den Webseiten von neun Ministerien die Buttons verschiedener sozialer Netzwerke. Mit Ausnahme des Verbraucherschutzministeriums, befindet sich dabei Facebook immer in der Auswahl.

Kurios

So haben die Besucher die Möglichkeit u.a. über den Kurznachrichtendienst Twitter die Inhalte der Ministerien zu verbreiten. Schaut man sich dabei die Twitter-Accounts der Bundesregierung einmal genauer an, entdeckt man dann wiederum Kurioses.

So folgt die Pressestelle des Bundesjustizministeriums @sls_bmj unter anderem einem US-Busenwunder, einem rechtsradikalen Politiker der Republikaner, sowie IKEA FAMILY und den Neuigkeiten der Münchner Wiesn 2010. Da fragt man sich natürlich schon, warum?

Fazit

Gerne würde man wissen, was Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner bewogen hat, ihre Kollegen in der Bundesregierung aufzufordern, den "Gefällt mir"-Button von den "regierungsamtlichen" Webseiten der Ministerien zu entfernen. Es gibt Ihn gar nicht auf offiziellen Webseiten. Und auch die Forderung auf Verzicht von Fanseiten erscheint wie eine Scheinforderung, bei zwei Accounts in der Bundesregierung.

Vielmehr wäre ein koordiniertes und abgestimmtes Verhalten der Bundesregierung In Sachen Datenschutz und Facebook wünschenswert.

Was einzelne Minister auf ihren privaten Webseiten machen und ob sie eine Fanseite haben, liegt nicht im Regelungsbereich der Bundesregierung. Ilse Aigner fände es aber trotzdem schön, wenn auch hier die Fanseiten gelöscht und die Gefällt-mir-Plugins entfernt werden würden. Zu gern wüssten wir, was Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre über 100.000 Fans dazu sagen würden.